Angesichts der weltweit stark steigenden Nachfrage nach Breitbandinternet verändert die Kombination aus Laser-Direktschreibtechnologie und Phasenwechselmaterialien grundlegend die Art und Weise, wie optische Kommunikationsnetze modernisiert werden – sie ermöglicht eine dynamische Neukonfiguration der Teilungsverhältnisse ohne Austausch der Hardware.
Im Zeitalter des explosionsartigen globalen Breitbandbedarfs haben sich passive optische Netze (PONs) zum Eckpfeiler der Hochgeschwindigkeitskommunikation entwickelt. Planare Lichtwellenleiter- Splitter (PLC-Splitter ), Kernkomponenten von PONs, wiesen lange Zeit einen grundlegenden Nachteil auf: feste Teilungsverhältnisse.
Wenn Netzwerke erweitert werden müssen, müssen die Betreiber die Dienste unterbrechen, um die Hardware auszutauschen, was zu Serviceausfällen und stark steigenden Kosten führt.
Kürzlich erzielten internationale Forschungsteams einen Durchbruch: Durch die Verwendung des verlustarmen Phasenwechselmaterials Antimon(III)-sulfid (Sb₂S₃) in Kombination mit der Laser-Direktschreibtechnologie demonstrierten sie erfolgreich die nichtflüchtige optische Programmierung von Teilungsverhältnissen – ein einziger Schreibvorgang fixiert den Zielzustand dauerhaft, wodurch die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Stromversorgung entfällt.

Diese Technologie bietet eine revolutionäre Lösung für die dynamische Rekonfiguration optischer Netzwerke.
Technische Einschränkungen herkömmlicher Splitter
Planare Lichtwellenleiter-Splitter (PLC-Splitter) sind integrierte optische Leistungsverteilungsgeräte auf Quarzsubstratbasis, die hauptsächlich in Fiber-to-the-Home (FTTH)- und Passive Optical Network (EPON/GPON)-Anwendungen zum Aufteilen und Kombinieren optischer Signale eingesetzt werden.
Seit ihrer Markteinführung in den 1990er-Jahren stehen PLC-Splitter vor einer grundlegenden Herausforderung: Das Aufteilungsverhältnis ist nach der Fertigung fix. Muss ein Netzwerk von 1:32 auf 1:64 aufgerüstet werden, müssen die Betreiber Ausfallzeiten für den Hardwareaustausch einplanen, was zu Serviceunterbrechungen und höheren Kosten führt.
Die derzeit gängigste Lösung sind thermisch abstimmbare Splitter, die jedoch eine kontinuierliche Stromversorgung benötigen, um ihren Zustand aufrechtzuerhalten, was zu einem hohen Energieverbrauch führt. Zudem benötigen sie integrierte Mikroheizungen und unterstützende Schaltungen, was die Herstellungskosten erheblich erhöht.
Traditionelle Phasenwechselmaterialien (wie z. B. Ge₂Sb₂Te₅) weisen hohe optische Verluste in den Kommunikationsbändern (C/L-Bänder) auf, wodurch sie für verlustarme optische Wege ungeeignet sind.
Bahnbrechende technologische Lösung
Ein internationales Forschungsteam hat eine innovative Lösung vorgeschlagen: die Integration von Sb₂S₃-Phasenwechselmaterial in kommerzielle PLC-Plattformen. Bei diesem Design wird ein 500 nm dicker Sb₂S₃-Film auf die Interferometerarme eines Mach-Zehnder-Interferometers (MZI) aufgebracht. Der signifikante Brechungsindexkontrast (Δn = 0,6) zwischen dem kristallinen (n = 3,3) und dem amorphen (n = 2,7) Zustand des Sb₂S₃ wird genutzt, um kontrollierbare Phasenverschiebungen zu erzeugen.
Durch die Verwendung der Laser-Direktschreibtechnologie zur lokalen Kristallisation des Materials (>270°C) wird das Teilungsverhältnis durch einen einzigen Schreibvorgang dauerhaft fixiert, und das Gerät funktioniert ohne kontinuierliche Stromversorgung.
Durch die Steuerung der Laserleistung (3–5 mW) und der Scangeschwindigkeit (10–40 μm/s) erreicht das System eine gleichmäßige Kristallisation des Sb₂S₃-Films. Die Qualität der Kristallisation wurde quantitativ mittels Raman-Spektroskopie (charakteristische Peaks bei 189/290 cm⁻¹) bestätigt.

Nach dem Laserschreiben im Millimeterbereich (1–6 mm) auf den Armen des Mach-Zehnder-Interferometers konnte das Teilungsverhältnis dynamisch von 50:50 auf 80:20 umgeschaltet werden, mit einem Energieverbrauch von unter 10 μJ pro Schaltvorgang. Der entscheidende Durchbruch besteht darin, dass der neue Zustand ohne Stromversorgung dauerhaft erhalten bleibt und somit ein vollständig nichtflüchtiger Betrieb ermöglicht wird. Die zusätzliche Einfügungsdämpfung des Bauelements beträgt lediglich etwa 1 dB und erfüllt damit die Anforderungen kommerzieller Systeme.
Innovative Anwendung der Mikro-Nano-Verarbeitungstechnologie
Ein Forschungsteam der Université libre de Bruxelles in Belgien hat einen ultrakompakten 1×4-Multicore-Fasersplitter entwickelt und damit einen weiteren technischen Ansatz demonstriert. Dieses Bauelement integriert Multimode-Interferenzkoppler, abgestufte Übergangsstrukturen und S-förmige Wellenleiter mittels hochauflösender 3D-Mikro-Nano-Fertigungstechnologie.
Diese Technologie ermöglicht die direkte, verlustarme Kopplung von Einkern- auf Mehrkernfasern bei einer Bauteilgröße von nur 180 Mikrometern. Die Zwei-Photonen-Polymerisationstechnologie erlaubt das direkte Drucken von glatten Wellenleiterübergängen, kompakten Krümmungen und hochgradig ausgerichteten Strukturen – alles in einem einzigen Schritt.

Nach der Fertigung führten die Forscher Stirnkopplungsversuche zwischen dem optischen Splitter und Einkern- sowie Mehrkernfasern durch, um dessen Übertragungsleistung zu bewerten. Die durchschnittliche Einfügungsdämpfung pro Kanal betrug etwa -3 dB. Das Bauteil wies zudem eine geringe polarisationsabhängige Dämpfung auf, was die Effektivität des Designs und die hohe Präzision des 3D-Druckverfahrens bestätigte.
Fortschritte in der automatisierten Präzisionsfertigung
Bei der Fertigung von Kernkomponenten für optische Kommunikationsnetze beeinflusst die Präzision von PLC-Kopplungssystemen direkt die Übertragungseffizienz und Stabilität optischer Signale. Die neu entwickelten PLC-Kopplungssysteme bieten Komplettlösungen für die optische Verbindung von Geräten wie Splittern und Wellenlängenmultiplexern – von der Forschung und Entwicklung bis zur Serienproduktion – dank automatisierter Präzisionsausrichtungstechnologie und intelligenter Algorithmen.

Ausgestattet mit sechsdimensionalen Präzisionsausrichtsystemen und hochauflösenden Bildverarbeitungssystemen erreichen diese Systeme eine Positioniergenauigkeit der linearen Achse von ±0,5 μm und eine Winkeljustiergenauigkeit von ±0,01°. In Kombination mit proprietären Gradientensuchalgorithmen können sie die optimale Kopplungsposition zwischen Faser und PLC-Wellenleitern innerhalb von 30 Sekunden ermitteln.
Über grafische Bedienoberflächen können Anwender Kopplungsparameter voreinstellen und optische Leistungsänderungen in Echtzeit überwachen. Die Software generiert automatisch Kopplungsverlustkurven und statistische Berichte und erleichtert so die Prozessoptimierung. Für die Kopplung von Mehrkanal-SPS-Geräten unterstützt das System die parallele Fehlersuche und verarbeitet 8 bis 16 Kanalgeräte pro Charge – die Effizienz wird im Vergleich zu herkömmlichen Geräten um das Fünffache gesteigert.
Anwendungsperspektiven und Markteinfluss
Die Technologie permanent programmierbarer optischer Splitter lässt sich nahtlos in bestehende, ausgereifte SPS-Großserienfertigungsprozesse integrieren. Nach den Standardverfahren sind lediglich zwei zusätzliche Schritte erforderlich: die Sputterdeposition einer Sb₂S₃-Schicht und das Laser-Direktschreiben. Dadurch entfallen zusätzliche, komplexe Lithografie- und Ätzprozesse. Dies senkt die Hürden für die Industrialisierung deutlich und reduziert die Kosten.
Zukünftig werden diese „permanent abstimmbaren“ optischen Splitter voraussichtlich weit verbreitet in Glasfaseranschlüssen (FTTH), optischen Verbindungen in Rechenzentren und 5G/6G-Fronthaul-Netzen eingesetzt. Die dynamische, bedarfsgerechte Zuweisung von Netzwerkressourcen ohne Hardwareaustausch wird die Betriebseffizienz und Flexibilität des Netzwerks erheblich verbessern.
3D-gedruckte Splitter decken den wachsenden Bedarf an kompakten, kundenspezifischen photonischen Komponenten in Bereichen wie Telekommunikation, Quantentechnologie und medizinischer Diagnostik. In der Echtzeit-Formerkennung für Roboterinstrumente oder Endoskope detektieren Mehrkernfasern feinste Bewegungen und Deformationen im menschlichen Körper.

Mithilfe dieser Splitter können solch komplexe Fasern direkt an Einzelkerndetektoren angeschlossen werden, wodurch die Notwendigkeit sperriger, ausrichtungsempfindlicher Fächermodule entfällt.
Diese Technologie eröffnet auch neue Möglichkeiten in der Quantenkommunikation und ermöglicht die präzise Einspeisung von Licht in ausgewählte Kerne für Multiplexing und sichere Signaltrennung. Dank ihrer kompakten Bauform und hohen Anpassbarkeit lassen sich diese Splitter an unterschiedliche Kerngrößen und Systemlayouts anpassen.
Da die weltweite Nachfrage nach Breitbandanschlüssen weiterhin rasant wächst, wird die programmierbare optische Splittertechnologie der neuen Generation den Betreibern helfen, sich von den Einschränkungen des Hardwareaustauschs zu befreien.
Netzwerk-Upgrades werden so einfach wie Software-Updates – ein einziger Laserschreibvorgang verändert dauerhaft den Lichtweg, ohne dass die Hardware selbst verändert werden muss.
Optische Kommunikationsnetze entwickeln sich hin zu einer wahrhaft intelligenten, effizienten und umweltfreundlichen, vollständig programmierbaren Ära.















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